ARCHITEKTURFOTOGRAFIE BLOG

Blog rund um die Fotografie von Architektur und Immobilien.
Neben Making Ofs und Hintergrundwissen gibt es Tipps und Tutorials für die erfolgreiche Architekturfotografie.

Interview zur Architekturfotografie

Neulich bekam ich eine nette Email von Sara aus Rissen. Sie schreibt gerade an Ihrer Facharbeit mit dem Thema Architekturfotografie und fragte, ob Sie mir ein paar Fragen zu diesem Thema stellen darf. Das durfte Sie natürlich.

Architekturfotografie Interview in 20 Fragen

 

1. Wie sieht Ihre typische Ausrüstung aus?

Ich fotografiere mit einer Canon Vollformatkamera mit diversen Zoombobjektiven, Festbrennweiten, sowie Tilt-Shift Objektiven. Selbstverständlich wird jede Aufnahme vom Stativ gemacht.
Je nach Auftrag kommen noch mobile Blitze dazu. Kleinkram wie Blitzauslöser, Tablet und andere kleine Helferlein sind auch immer in der Tasche.

2. Bearbeiten Sie Ihre Fotos nach? Wenn ja, worauf sollte man achten ?

Ja, in der modernen Architekturfotografie geht es nicht ohne.
Beim fotografieren von Architektur ergeben sich in der Regel 3 „Probleme“. Diese sind stürzende vertikale Linien, welche 100%ig vertikal sein sollten, da die Architektur ansonsten falsch wiedergegeben wird.
Zweitens, eine gleichmäßige Ausleuchtung der Szenerie, sowie drittens, die Anpassung einer korrekten Farbwiedergabe über das gesamte Bild.

3. Was ist Architekturfotografie für Sie ?

Gute Architekturfotografie transportiert die Emotionen, die der Architekt mit seiner Arbeit ausdrücken möchte.
Im besten Falle werden diese sogar noch verstärkt und Aspekte des jeweiligen Kunden, welcher die Arbeit in Auftrag gibt, mit in das Bild aufgenommen.
Auch sollte immer die Umgebung, in der das architektonische Werk steht, mit einbezogen werden.

4. Wie wird man Architekturfotograf ?

Wie in so vielen kreativen Berufen gibt es zwar Ausbildungen, Schulen und Studiengänge, die das Thema mit behandeln, sich dem Feld aber nicht 100%ig verschrieben haben.
Eine solide fotografische Grundausbildung kann jedoch nicht schaden. Hat man wirklich Interesse an dem Feld und möchte Architekturfotograf werden, so bildet man sich meiner Meinung nach am besten selbst weiter.
Sei es durch verschiedene Praktika, Workshops, Lernmaterial aus dem Internet, die Ressourcen zu dem Thema sind riesengroß und oftmals frei zugänglich.
Da es kaum festangestellte Architekturfotografen gibt, ist sowieso stets Eigeninitiative gefragt.

5. Kann man auch ohne professionelles Equipment (Durchschnitts Spiegelreflex, Canon Eos 100D) ansatzweise professionelle Bilder ablichten ?

Ja, man kann. In den optimalen Bedingungen (gutes Licht, tolles Objekt, kaum Bearbeitung nötig) ist sogar mit dem Handy ein gutes Foto möglich.
Da Fotografen jedoch oft dann gebucht werden, wenn etwas schwierig zu fotografieren ist, stößt man trotz viel Know-How schnell an die Grenzen von Einsteigerequipment.

6. Welche Tageszeiten sind zum fotografieren am geeignetsten ?

Fotografen meiden in der Regel die Mittagssonne. Die Schatten sind zu hart und die Kontraste zu hoch. Für schöne Architekturfotos eignet sich weiches, schräg einfallendes Licht der Morgen-, oder Abendsonne am allerbesten.
Es gibt jedoch auch Strömungen in der künstlerischen Fotografie, welche genau die verpönte Mittagssonne nutzen um einen ungewohnten Bildlook zu kreieren.

7. Was macht Ihnen an ihrem Job am meisten Spaß ?

Mir gefällt die Abwechslung am allermeisten. Man arbeitet selten mehrfach an einem Ort, lernt täglich tolle, neue Menschen kennen, welche man mit schönen Bildern glücklich machen kann und hat generell viel Input.
Einerseits mag ich es sehr mit Menschen zu arbeiten und jeden Tag etwas neues zu sehen, genieße aber auch die Konzentration und den Fokus, welche man bei der Bildbearbeitung braucht.
Der Job erlaubt mir beides zu haben, ohne, dass ich mich für eine Sache entscheiden müsste.

8. Wie lange üben Sie ihren Beruf schon aus ?

Selbstständig gemacht habe ich mich im Sommer 2012.

9. Ist Ihre Berufung auch ihr privates Hobby ?

Da mein Beruf aus meinem Hobby entstanden ist, ein ganz klares „Ja“. Privat fotografiere ich mittlerweile jedoch gerne Mensch und Dokumentationen. Außerdem gerne mit alten, analogen Kameras, die wesentlich langsamer funktionieren.
Ich denke das ist ein schöner Kontrast zum wesentlich „perfekteren“ Anspruch an die kommerzielle Fotografie.

10. Was halten Sie von Bearbeitungen wie z.B schwarz – weiß Effekten ?

Schwarz/Weiß Umsetzungen haben in der Architekturfotografie eine lange Tradition, da man hiermit sehr schöne hell/dunkel Kontrast an Gebäuden, sowie Strukturen herausarbeiten kann.
Generell sind andere „Effekte“ immer mit Vorsicht zu genießen, da diese nur kurzfristig wirken und ihre Wirkung langfristig schnell verlieren.

11. Was zeichnet einen guten Architekturfotografen aus ?

Aus künstlerischer Sicht als allererstes sicher der Blick für die richtige Perspektive, sowie die Wahl des richtigen Zeitpunkts, bzw. des Lichtes. Die Beherrschung der Technik ist obligatorisch.
Sobald es ins Business geht, sind jedoch noch ganz andere Aspekte gefragt, wie: Schnelligkeit, Kommunikation, ein eigener Stil, Gespür für das Anliegen des Kunden…

12. Was war Ihre erste Kamera? Und womit fotografieren Sie heute?

Meine erste Kamera war eine Nikon Coolpix 4600, welche ich von meinen Eltern zum 16. Geburtstag bekommen habe. Mit dieser habe ich sogar bereits meine ersten Architekturfotos gemacht.
Heute ist es eine Canon 6D.

13. Welches ist Ihr Lieblingsbild von den verschiedenen Architekturen ?

Ein richtiges Lieblingsbild habe ich gar nicht und schaue ehrlich gesagt auch gar nicht so viel auf andere Fotografen. Mein Bild des Spiegel Gebäudes in der Hafencity mag ich in letzter Zeit aber ganz gerne.

14. Wo liegen Ihre Schwerpunkte ?

Zur Zeit fotografiere ich viel im Interior Bereich, sprich Immobilienfotografie, Interiorfotografie, für Makler, Eigentümer, Home Stager oder Firmen, die ein Interesse daran haben Ihr Produkt in einem architektonischen Kontext zu sehen.

15. Was zeichnet für Sie ein wirklich herausragendes Foto aus?

Für mich ist ein herausragendes Foto nah an der Wirklichkeit, hat jedoch immer noch Elemente, welche für den Betrachter nicht gleich ersichtlich oder greifbar sind und somit ein Gefühl der Spannung erzeugen.
Sei es durch eine künstliche Lichtstimmung, eine ungewohnte Perspektive, oder einer besonderen Farbgebung.
Als kleines Beispiel lässt sich hier das Gemälde der Mona Lisa anbringen. Die Mona Lisa und der Hintergrund haben 2 verschiedene Perspektiven, was man als Betrachter nicht auf den ersten Blick erkennt, aber trotzdem unbewusst wahrnimmt.

16. Kann man Gebäude richtig oder falsch fotografieren ?

Die Fotografie ist immer nur der 2-Dimensionale Versuch, eine 3-Dimensionale Umgebung, welche jeder Mensch subjektiv anders wahrnimmt, abzubilden.
Keine Kamera der Welt kann somit „die Realität“ ablichten. Daher gibt es kein richtig und kein falsch.
Man sollte mit seinem Foto jedoch versuchen der menschlichen Wahrnehmung so nah wie möglich zu kommen. Hier kommen dann wieder technische Hilfsmittel, sowie die Bildbearbeitung zum Einsatz.
Fotografiert man zum Beispiel ein Gebäude von unten nach oben, so sieht es durch die Perspektive so aus, als ob die Wände des Hauses nach Innen zusammen fallen.
Jeder Mensch weiß jedoch, dass Wände in der Regel gerade sind, so muss man versuchen dies auf dem Foto zu korrigieren.

17. Welche Perspektiven gibt es ?

Man unterscheidet Perspektiven grundsätzlich nach Fluchtpunkt. Bei der 1 Punkt Perspektive verlaufen alle horizontalen Linien, welche nicht parallel sind, zu einem Fluchtpunkt, meist in der Mitte vom Bild.
Bei der 2 Punkt Perspektive verlaufen die Linien zu 2 Fluchtpunkten, wobei Sie durch einen Scheitelpunkt getrennt sind. Die 3 Punkt Perspektive ist auch als Frosch-, bzw. Vogelperspektive bekannt.
Hier gibt es 3 Fluchtpunkte und das Objekt ist entweder ganz von unten, oder von oberhalb aufgenommen. Es gibt auch noch die 4 Punkt Perspektive, welche man jedoch nur mit Fischaugenobjektiven erreicht, da die Linien für diese
gebogen werden müssen.

18. Welche Methoden gibt es und welche würden Sie als wichtig bezeichnen ?

Ich hoffe, ich verstehe die Frage richtig. Ich würde zwischen einer dokumentarischen und inszenierten Methodik unterscheiden. Die dokumentarische Fotografie legt den Fokus auf die pure Dokumentation des Vorhandenen.
Wobei die Inszenierung oft noch Elemente dazu nimmt, um gewisse Bereiche hervorzuheben, oder ganz neue Emotionen zu kreieren. Je nach Intention der Fotos sollte der Ansatz im Vorfeld abgeklärt werden, gerade auch mit einem eventuellen Auftraggeber.

19. Mit welchen Fotografien kann man die Architekturfotografie vergleichen ?

Ich sehe große Parallelen zur Landschaftsfotografie, welche ich früher viel betrieben habe. Man kann sein Objekt vor der Kamera nur minimal beeinflussen und ist doch sehr abhänging von z.B. einer schönen Lichtstimmung.
Bei beiden Bereichen sind Planung und eine Vorvisualisierung des Ergebnisses essentiell. Alles muss vorher schon im Kopf entstanden und an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sein. Das Drücken des Auslösers ist dann nur noch der kleinste Teil der Arbeit.

20. Welche Tipps können Sie mir für gelungene Fotos geben ?

Wie schon im letzten Punkt angesprochen, halte ich es für ungemein hilfreich, dass man sein Foto schon vorab im Kopf entstehen lässt.
Mach dir ein genaues Bild davon, wie das Foto aussehen soll und was dafür nötig ist um diesen Look zu erreichen.
Das beste Equipment der Welt bringt nichts, wenn man nicht weiß, was man wie fotografieren möchte.
Außerdem immer ausprobieren und nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt.
Ein weitaus weiserer Mensch als ich hat einmal gesagt „Die ersten 10.000 Bilder sind schrott!“. Deshalb sollte man sich von seinen ersten Gehversuchen nicht entmutigen lassen.


Ich hoffe, dass Sara mit Hilfe dieser Antworten eine tolle Facharbeit schreibt und sich vielleicht sogar dazu inspirieren lässt selbst in diese tolle Richtung der Fotografie zu gehen. Ich habe Ihr noch ein paar handfeste Tips für Ihre ersten Fotoversuche mit auf den Weg gegeben und bin sehr auf die Ergebnisse gespannt!

Architekturfoto Spiegelgebäude – Making Of

Wer in Hamburg Architektur fotografieren will, kommt um die Hafencity nicht drum herum. Dicht an dicht drängen sich moderne bauten aus Stahl und Glas. An der Ostspitze der Hafencity findet sich jedoch ein ganz besonderer Bau:

Das Spiegelgebäude in Hamburgs Hafencity

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Fremde Häuser fotografieren- erlaubt oder nicht erlaubt?

Als Architekturfotograf erhält man von Firma XYZ gerne einmal den Auftrag „ein paar schöne Fassadenbilder“ aus dem jeweiligen Heimatstadtteil der Firma zu erstellen. Auch gibt es in Hamburg einfach zu viele schöne Bauwerke, welche sich gut im Portfolio eines jeden Fotografen machen, ob Amateur oder Profi. Die Frage, die dabei oft gestellt wird, ist:

Darf ein Fotograf fremde Häuser fotografieren?

Wir schauen uns das ganze einmal an und achten auf folgende Gesichtspunkte:

Dieser Artikel hat am 11.09.2019 ein Update zur DSGVO am Ende des Beitrages erhalten.

Fremde Gebäude fotografierenAuch bei öffentlichen Gebäuden, wie der Hafencity Universität in Hamburg, gilt es Rechte zu wahren.

Die Ausgangssituation

Nehmen wir also an, wir haben ein gesteigertes Interesse daran, schöne Architekturfotos von Gebäuden, bzw. dessen Fassaden zu erstellen. Wir sind zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs und nicht per Drohne oder Flugzeug.

Ob wir die Bilder für einen Kunden erstellen, in einem Magazin veröffentlichen, als teuren Kunstdruck verkaufen oder einfach nur für die private Sammlung nutzen wollen, spielt keine Rolle. Die Gesetzeslage ist in jedem Fall gleich.

Welche Interessensgruppen sind gefährdet?

An erster Stelle denkt man natürlich an den Eigentümer des Bauwerkes, des Hauses oder des Grundstückes, welches fotografiert wird. Der Eigentümer könnte einen Eingriff in die Eigentümerrechte seines Objektes befürchten.

An zweiter Stelle stehen die Benutzer, bzw. die Bewohner, wenn es sich um eine Wohnimmobilie handelt, des jeweiligen Objektes. Wird mit den jeweiligen Fotos das Persönlichkeitsrecht verletzt? Oder schlimmer noch die Privatsphäre beeinträchtigt? In diesem Zusammenhang hört man oft den Ausdruck Das Recht am Bild.

An dritter Stelle kommt der Architekt oder Bauherr, der für den Entwurf des Gebäudes verantwortlich zeichnet. Immerhin ist das Design eine künstlerische Arbeit und somit sein geistiges Eigentum, welche es zu schützen gilt.

Fotos ohne Genehmigung eines fremden HausesFremde Häuser fotografieren – Darf ich das?

Die Gesetzeslage in Deutschland

Schauen wir einmal was der Gesetzgeber zu sagen hat. Aufschluss bietet vorallem § 59 des Gesetztes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG):

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.

Aha, solange wir uns also auf die äußere Ansicht beschränken, sind wir mit der Vervielfältigung, also dem fotografieren, und der öffentlichen Wiedergabe, also der Veröffentlichung, auf der sicheren Seite. Zumindest was das Urheberrecht anbelangt.

Aber wie sieht es mit dem Eigentümerrecht aus?

Mit Urteil vom 09.03. 1989 entschied der BGH bereits früh folgendes:

Der Fotografiervorgang hat keinerlei Auswirkungen auf die Nutzung der Sache selbst. Er hindert den Eigentümer nicht daran, mit der Sache nach Belieben zu verfahren und stört ihn auch nicht in seinem Besitz.

Und ergänzt dabei, dass die (kommerziell verwertete) Fassadenfotografie immer dann zulässig ist, wenn:

  • Aus einem normalen Blickwinkel (ohne Hochstativ, Drohne o.ä.) und
  • vom öffentlichen Straßenrand oder öffentlichen Plätzen fotografiert wird

Als Bestätigung lässt sich noch folgendes Urteil des BGH vom 17.12. 2010 zu Rate ziehen:

Das Fotografieren eines fremden Grundstücks, insbesondere eines darauf errichteten Gebäudes, lässt zwar dessen Sachsubstanz unberührt. Es hat keine Auswirkungen auf die Nutzung der Sache selbst, hindert den Eigentümer nicht daran, mit dem Grundstück weiterhin nach Belieben zu verfahren und stört ihn grundsätzlich auch nicht in seinem Besitz.

Ergänzt hierbei aber noch, dass:

Das Eigentum an einem Grundstück wird aber dann durch (das Aufnehmen und) die Verwertung von Fotografien von auf ihm errichteten Gebäuden und auf ihm angelegten Gartenanlagen und Parken beeinträchtigt, wenn das Grundstück zur Anfertigung solcher Fotografien betreten wird.

Kurz und knapp lässt sich also zusammenfassen, dass, solange wir uns auf öffentlichem Grund und keinem Privatgrundstück befinden, die Außenaufnahmen jeglicher Gebäude zulässig sind und somit weder Eigentumsrechte, noch Urheberrechte verletzt werden. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen normalen Kamerastandpunkt, welcher nicht per Leiter o.ä. Hilfsmittel erreicht wurde.

Wie sieht es mit dem Persönlichkeitsrecht aus?

Solange wir nur das Bauwerk abbilden und keine Personen auf den Bildern zu erkennen sind, kann ein Recht am Bild, bzw. Persönlichkeitsrecht nicht greifen. Dies kommt erst zum Tragen, wenn explizit Personen auf den Bildern zu erkennen sind.

Hier muss jedoch auch unterschieden werden, ob die Personen nur Beiwerk, oder Hauptbestandteil des Bildes sind. In diesem Zusammenhang greift oft der Passus „Gruppen ab 5 Personen“, ab welchem es sich nicht mehr um Aufnahmen eines einzelnen Individuums handelt. Mehr dazu in der weiterführenden Literatur.

Fotografieren wir also nicht mit einem Teleobjektiv in fremde Fenster, um die dortigen Personen abzubilden, sind wir auch hier auf der sicheren Seite.

Außenaufnahmen ohne GenehmigungBeachtet man ein paar Dinge, ist die Gesetzeslage eindeutig geregelt.

Das Recht in der Praxis

 Fassen wir also noch einmal zusammen. Die Aufnahme und Veröffentlichung von Gebäuden ist solange unproblematisch und zulässig, solange:

  • Es sich um Fassadenaufnahmen, bzw. Außenaufnahmen handelt
  • Von einem öffentlichen Weg, Platz oder Straße fotografiert wird
  • Der Kamerastandpunkt nicht durch Hilfsmittel erreicht wird
  • Keine Personen auf den Bildern erkennbar sind

Die moralische Frage, oder: Auf sein Recht pochen?

Wie wir jetzt wissen, kann man Außenaufnahmen eines Gebäudes ohne Probleme und schlechtes Gewissen erstellen und veröffentlich, solange man ein paar Dinge berücksichtigt.

In der breiten Bevölkerung sind diese Gesetze jedoch oft nicht bekannt und gerade in Deutschland haben viele Menschen Bedenken, dass Sie einen Nachteil erfahren könnten, wenn Sie einen Fotografen sehen, der Ihr Eigentum oder Wohnort fotografiert.

Leider zu Recht, denn wer möchte sein Zuhause womöglich schon mit einer unschönen Überschrift in einer bunten Boulevardpresse sehen?

Wird man also bei der Arbeit angesprochen, oder aus dem sicheren Schutz der Gardine argwöhnisch beobachtet, hilft es oft den offenen Dialog zu suchen. Man erklärt sein Anliegen, verweist höflich(!) auf die Gesetzeslage und fragt, ob man mit seiner Arbeit jemanden beeinträchtige. Oft gibt es dann keinerlei Probleme mehr und man darf ungestört fortfahren.

Ich halte es meist so, dass ich meine Visitenkarte und die meines Auftraggebers aushändige, damit der Gegenüber versteht, dass ich kein Paparazzi bin, sondern lediglich einen Job mache, oder ein paar schöne Bilder erstellen möchte.

Mein Tipp: Erklären Sie sich und bieten dem Gegenüber an, ihm die angefertigten Bilder per Email zukommen zu lassen. So kommt man oft in ein nettes Gespräch und generiert auch noch einen tollen Kontakt.

Und wenn das alles nichts hilft?

Sollte es trotz aller freundlichen Bemühungen, Erklärungen und der eindeutigen Rechtslage zu einem Streit kommen, empfehle ich, hier nicht zu versuchen, sein Recht durchzuboxen. Dies kann nicht nur unschön werden, sondern wirft auch ein schlechtes Licht auf uns Fotografen und lässt den Gegenüber noch wachsamer sein.

Sollten Sie sich der Rechtslage jedoch wirklich sicher sein, keine bösen Absichten hegen und das Bildmaterial unbedingt benötigen, kommen Sie doch einfach zu einem anderen Zeitpunkt wieder und gehen eventuell ein bisschen diskreter vor. Wie der Gesetzgeber schon schreibt, wird durch das Abbilden eines Gebäudes ja niemand in der Nutzung des Gebäudes oder seiner Freiheit beschränkt.

Weiterführende Literatur

Es gibt eine ganze Reihe von Literatur, die die Rechte von Fotografen noch einmal viel ausführlicher beschreibt.
(gesponsorte Links)

Empfehlenswert sind hier:

Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative – auf Amazon

Fotografie und Recht: Die wichtigsten Rechtsfälle für die Fotopraxis – auf Amazon

Recht für Fotografen: Der Ratgeber für die fotografische Praxis – auf Amazon

Update DSGVO

Seit dem 25. Mai 2018 gilt die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) zur Verarbeitung personenbezogener Daten, um die rechte von Personen zu schützen, sobald Daten über Sie erhoben und verarbeitet werden.

Fotografie stellt ebenfalls eine Datenverarbeitung dar und fällt unter die DSGVO sobald Personen im Bild zu sehen sind.

Grundsätzlich gilt:
– werden personenbezogene Daten verarbeitet, muss eine Einwilligung dieser Personen vorliegen
– dies gilt bereits vor der Veröffentlich, zum Zeitpunkt ab dem Daten verarbeitet werden

In der Architekturfotografie könnte dies der Fall sein, sobald Personen auf Bildern von Gebäuden zu sehen sind.
Theoretisch müssten wir alle diese Personen um eine Einverständniserklärung bitten, die DSGVO befreit jedoch von der Einverständnispflicht, wenn:

– die Personen nicht einwandfrei identifizierbar sind, z.B. durch eine Sonnenbrille, Schatten im Gesicht, Unschärfe
– Die Aufnahme erforderlich ist, um berechtigte Interessen des Verantwortlichen zu wahren

Dies ist sehr schwammig ausgedrückt. Als Beispiel könnte man jedoch davon ausgehen, dass ein Architekt ein berechtigtes Interesse daran hat sein Bauwerk für die Eigenwerbung fotografieren zu lassen. Erforderlich ist hierbei jedoch zwingend ein Vertrag zwischen Verantwortlichem und Fotograf.

Ausnahmen

Weiterhin gilt zu beachten, dass das KUG (Kunsturheberschutzgesetz) auf Bundesebene (nicht Europaebene) der DSGVO gleichgestellt ist und diese mit folgenden Punkten erweitert/einschränkt. Die Aufnahme ist nach dem KUG nur zulässig, wenn:

– die betroffenen Personen nur Beiwerk des Bildes sind
– es sich um Zeitgeschichtliche Ereignisse handelt
– die Person aktiv Teil einer öffentlichen Versammlung ist

Interessant ist auch, dass die Form der Einwilligung nicht vorgeschrieben ist. So ist neben der digitalen, schriftlichen und mündlichen Form, auch die konkludente Form zulässig. So z.B. wenn die Person posiert, in die Kamera lacht, oder zustimmend nickt.

Ebenfalls gleichwertig mit der DSGVO und KUG ist das Allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR), welches Aufnahmen von Menschen an privaten Orten, in intimen Momenten und kompromittierenden Situationen zeigt. Ist eine solche Situation gegeben, ist die Aufnahme in jedem Fall verboten.

FAZIT:
Um bei dem Beispiel des Architekturfotos zu bleiben sind wir also auf der sicheren Seite, solange:

1. es sich um öffentlichen Raum handelt
2. die Personen nur Beiwerk sind
3. die Personen im besten Fall nicht zu erkennen sind
4. oder Ihr Einverständnis ausgedrückt haben

Da du mit der Gesetzeslage und deren Grenzen ja nun bestens vertraut bist, wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung und Erstellung von schönen Fassadenaufnahmen.

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