Von Objektiven für die Architekturfotografie scheint eine besondere Magie auszugehen. Vermutlich ist es die Weitwinkelperspektive, welche Dinge ganz anders erscheinen lässt, als wir es von unserem menschlichen Auge, oder „normalen“ Kameras gewohnt sind.
Jedenfalls vergeht kaum ein Fototermin, wo nicht jemand interessiert nach meinem Objektiv fragt. Daher schauen wir uns mal an, welche Objektive und Besonderheiten es gibt.

Objektive für Architekturfotografie

1.) Was für Objektive brauchen wir?
2.) APS-C oder Vollformat? DSLR oder Spiegellos?
3.) Welche Marke?
4.) Objektive bis 500€
5.) Objektive bis 1000€
6.) Objektive ab 1000€
7.) Spezialobjektive für Profis (Tilt-Shift)
8.) Fazit

 Welches Objektiv eignet sich am besten für Architekturfotos?

Was für Objektive brauchen wir?

Eigentlich ist nur eine Sache entscheidend, es sollte sich um ein Weitwinkelobjektiv handeln!
Weitwinkelobjektive haben die Eigenschaft einen besonders weiten Blickwinkel einzufangen, was für riesige Gebäude, sprich Architektur sehr vorteilhaft ist.

Natürlich kann man auch mit „normalen“ Objektiven, oder sogar Teleobjektiven Architekturfotografie betreiben, nur muss dann der Abstand entsprechend groß sein. Und man Glück haben, dass sonst nichts im Wege steht.

Für eine gute Weitwinkelperspektive brauchen wir also eine besonders kurze Brennweite. An Vollformatkameras gilt alles kürzer als 24mm als Weitwinkel. Unterhalb von 17mm spricht man sogar vom Ultraweitwinkel!

Um das ganze für APS-C Kameras umzurechnen, teilt man einfach durch 1,6. So viel kleiner sind die Sensoren von APS-C Kameras nämlich im Vergleich zum Vollformat.
So ergibt sich z.B., aus 24mm ein 15mm Objektiv für APS-C Kameras. Und alles unterhalb von 10mm ist dann Ultraweitwinkel.

Wichtig ist weiterhin, dass das Objektiv nicht „verzeichnet“, sprich gerade Linien auch wirklich gerade abgebildet werden und nicht gekrümmt. Das ist bei günstigeren Objektiven leider oft der Fall.
Zum Glück lässt sich sowas mittlerweile gut in Photoshop/Lightroom korrigieren.

Je nachdem wie groß man seine Bilder drucken möchte, sollte man noch auf die Schärfe des Objektivs acht geben. Hier gilt aber grundsätzlich – je teurer, desto schärfer!

Andere Features wie Geschwindigkeit des Autofokus, besondere Lichtstärke etc. sind meiner Meinung nach völlig Zweitrangig, da es sich bei Architektur ja nicht um schnell bewegende Objekte handelt und man sowieso mit viel Ruhe, meist vom Stativ fotografiert.

APS-C oder Vollformat? DSLR oder Spiegellos?

Ich bin ganz ehrlich, das ist meiner Meinung nach ziemlich Wumpe. Na klar, Vollformat bietet immernoch die beste Qualität und den meisten Spielraum in der Nachbearbeitung. Ich kenne allerdings auch viele Kollegen, die mit einer APS-C Kamera Jobs machen, wenn die Bilder nur fürs Web erstellt werden. Der Hauptgrund für eine Vollformatkamera ist ja die bessere Möglichkeit mit der Tiefenschärfe zu spielen. Da wir in der Architekturfotografie aber ja meist alles scharf haben wollen, fällt dieser Faktor raus. Mittlerweile sind die modernen APS-C Kameras sehr gut und in den meisten Fällen wird man keinen Unterschied in der Bildqualität sehen. Allerdings gibt es gewisse Objektive, die nur an einer Vollformatkamera Sinn machen, mehr dazu unter Spezialobjektive. Ob APS-C oder Vollformat ist für mich somit nur eine Frage, „wieviel Kamera“ man in der Hand haben möchte, welches Budget man hat und ob man seinen Body noch für andere Fotogenres benutzt. Auch bei der Frage DSLR Kamera, oder spiegelloses System wird der Unterschied immer geringer. Ich bin zwar absolut kein Fan von digitalen Suchern und bevorzuge den klaren Blick durch den Spiegel, bei Architekturfotos schaue ich aber sowieso zu 99% auf das Display. Hier kann man die Komposition einfach besser beurteilen, sich allerlei Helferlein wie Histogram und Gitterlinien anzeigen lassen und muss sich nicht kompliziert hinter die Kamera klemmen, wenn Sie auf Bauchhöhe auf dem Stativ steht. Mit Klappdisplays geht das heutzutage ja viel einfacher. Ob das ganze nun per Liveview aus einer DSLR oder Mirrorless kommt, ist dabei ja egal.

Welche Marke?

Wahrscheinlich hat du dich sowieso schon auf eine Kameramarke festgelegt und suchst nun nur noch nach dem geeigneten Objektiv. Ich beschränke mich daher auf die 3 Top Player: Canon, Nikon und Sony, bzw. Objektive für diese Kameras. Andere Hersteller machen sicher auch gute Kameras, allerdings ist bei den Top 3 die Auswahl an Objektiven und Zubehör am besten, weswegen ich immer diese empfehle. Bleibt noch die Frage, ob man ein „natives“ Objektiv des Kameraherstellers nimmt, oder eines Drittherstellers wie Sigma, Tamron, Tokina, Samyang etc. Grundsätzlich kann man sagen, dass die (modernen) nativen Weitwinkelobjektive durchgehend gut und sehr hochwertig sind, aber dadurch auch Ihren Preis haben. Die Dritthersteller haben da eher noch einmal ein günstiges Objektiv am Start, wo man mit ein paar Abstrichen bares Geld sparen kann. Wie gesagt ist in der Architekturfotografie aber nicht jedes Feature dringend notwendig, sodass man auch gut mit einem Kompromiss leben kann.

Objektive bis 500€

Canon EF-S 10-18mm F4.5-5.6 STM
– APS-C Objektiv
– viel Weitwinkel für wenig Geld
– Qualität leider auch entsprechend
268€ auf Amazon

Sigma 10-20mm F3,5 HSM
– APS-C Objektiv
– gute Lichtstärke
– gutes Einstiegsobjektiv
Für Canon (339€), Nikon (372€) und Sony (gebraucht)

Tamron 17-35mm F2.8-4 OSD
– Vollformatobjektiv
– wertige Verarbeitung
– gute Lichtstärke
Für Canon (425€) und Nikon (425€)

Nikon 10-20mm F4.5-5.6 VR
– APS-C Objektiv
– sehr guter Preis
– Qualität nicht die beste
275€ auf Amazon

Tamron 10-24mm F3.5-4.5 HLD
– APS-C Objektiv
– gute Bildqualität
– wertige Verarbeitung
Für Canon (449€), Nikon (449€) und Sony (295€)

Meine Empfehlung:
Tamron 10-24mm für APS-C und Tamron 17-35mm als Einstieg in das Vollformat. Beide Objektive sind wertig verarbeitet, bieten gute Features und haben eine ordentliche Bildqualität.

Objektive bis 1000€

Canon 17-40mm F4.0
– Vollformatobjektiv
– sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis
– könnte etwas schärfer sein
620€ auf Amazon


Canon 10-22mm F3.5-4.5
– APS-C Objektiv
– etwas unmodern
– Qualität dennoch okay
519€ auf Amazon

Nikon 10-24mm F3.5-4.5
– APS-C Objektiv
– gute Qualität/Verarbeitung
– großer Zoombereich
829€ auf Amazon

Tamron 17-28mm F2.8 für Sony
– Vollformatobjektiv
– sehr gute Lichtstärke
– etwas kleiner Zoombereich
849€ auf Amazon

Sony SEL 10-18 F4.0
– APS-C Objektiv
– gewohnt hohe Sony Qualität
– sehr geringe Verzeichnung
659€ auf Amazon

Sony 16-35mm F4.0
– Vollformatobjektiv
– gute Verarbeitung
– Zeiss Linsen
949€ auf Amazon

Tamron 15-30mm F2.8
– Vollformatobjektiv
– gute Qualität und Verarbeitung
– sehr schön weitwinklig
Für Canon (999€), Nikon (999€) und Sony (779€)

Sigma 8-16mm F4,5-5,6
– APS-C Objektiv
– extremes Weitwinkel
– Verarbeitung und Qualität gut
Für Canon (549€), und Nikon (751€)

Meine Empfehlung: Das Canon 17-40mm ist DER Klassiker für Canon Fotografen. Ansonsten das tolle, aber teurere Tamron 15-30mm am Vollformat oder das Sigma 8-16mm für APS-C Kameras. bzw. Sony 10-18mm für Sony APS-C.

Objektive ab 1000€

Canon 16-35mm F4
– Vollformatobjektiv
– modernes Standard Weitwinkel
– sehr gute Qualität/Schärfe zum guten Preis
1019€ auf Amazon

Canon 16-35mm F2.8
– Vollformatobjektiv
– sehr gute Lichtstärke
– noch ein Ticken besser als die F4.0 Variante
2149€ auf Amazon

Canon 11-24mm F4.0
– Vollformatobjektiv
– weitestes Weitwinkel der Welt
– Qualität dennoch sehr gut
3239€ bei Calumet

Nikon 12-24mm F4.0
– APS-C Objektiv
– sehr gute Qualität
– sehr guter Autofokus
1006€ auf Amazon

Nikon 14-24mm F2.8
– Vollformatobjektiv
– sehr schön weitwinklig
– top Qualität
1499€ auf Amazon

Sony 12-24mm G-Master F4.0
– Vollformatobjektiv
– beeindruckendes Weitwinkel
– beste G-Master Qualität
1514€ auf Amazon

Sony 16-35 G-Master F2.8
– Vollformatobjektiv
– beste G-Master Qualität
– sehr gutes Standard Weitwinkel
2199€ auf Amazon

Sigma Art 12-24mm F4.0
– Vollformatobjektiv
– extremes Weitwinkel
– Abbildungsleistung dennoch sehr gut
Für Canon (1369€) und Nikon (1345€)

Sigma Art 14-24mm F2.8
– Vollformatobjektiv
– sehr schön weitwinklig
– hohe Qualität der Art-Serie
Für Canon (1289€), Nikon (1187€) und Sony (1449€)

Meine Empfehlung: Das Canon 16-35mm F4.0, Nikon 14-24mm F2.8 und Sony 16-35 F2.8 sind alles sehr solide Objektive und gehören eigentlich in die Tasche eines jeden Architekturfotografen.

Spezialobjektive Tilft-Shift

Tilt-Shift Objektive sind für die Architekturfotografie eigentlich unablässig, durch den hohen Preis allerdings fast nur bei Profis anzufinden. Durch einen eingebauten Mechanismus lässt sich der Bildausschnitt in alle Richtungen „verschieben“, ohne die Kamera neigen zu müssen. Dadurch verhindert man sogenannte stürzende Linien, wenn man die Kamera eigentlich nach oben neigen müsste, um ein Gebäude ganz drauf zu kriegen. Tilt-Shift Objektive werden ausschließlich für Vollformatkameras produziert, sind demnach aber auch an APS-C Kameras funktionsfähig.

Canon 24mm TS-E F3.5
– Must Have Objektiv für Archtitekturfotografen
– die 24mm Brennweite bilden einen sehr natürlichen Bildlook
– so gut wie keine Verzeichnung!
1798€ bei Calumet

Canon 17mm TS-E F4.0
– riesiger Bildkreis, um auch große Gebäude abbilden zu können
– extrem scharf
– etwas empfindlich durch das freiliegende Frontelement
1999€ bei Calumet

Nikon 24mm PC-E F3.5
– Must Have Objektiv für Architekturfotografen
– sehr hohe Bildqualität
– fast keine Verzeichnungen
1839€ bei Calumet

Nikon 19mm PC-E F4.0
– riesiger Bildkreis für weite Ausschnitte
– extreme Bildqualität
– durch freiliegendes Frontelement etwas empfindlich
3786€ bei Amazon

Samyang 24mm T/S F3.5
– „günstiger“ Einstieg in die Tilt-Shift Fotografie
– Bildqualität und Verzeichnung leider nicht optimal
– Fertigungsqualität wird oft bemängelt
Für Canon (779€), Nikon (899€) und Sony (795€)

Die Samyang Objektive werden auch unter dem Namen Walimex oder Rokinon vertrieben, sind aber mit diesen identisch.

Fazit

Okay, es gibt im Weitwinkelbereich echt viele Objektive für die Architekturfotografie. Je nach Budget sollte da für jeden etwas dabei sein. Man kann also schon für unter 300€ mit einem APS-C Ojektiv loslegen und gute Ergebnisse erzielen. So richtig interessant und wertig wird es dann meiner Meinung nach aber erst ab 500€ aufwärts.
Mir fällt immer wieder auf, dass Canon und Nikon für den Einsteigerbereich mehr Objektive im Angebot haben als Sony. Dafür aber auch in der Qualität Kompromisse eingehen. Bei Sony gibt es meist nur eine Variante des Objektives, die ist dann zwar sehr gut, aber auch entsprechend bepreist.

Die Vollformatobjektive von Canon, Nikon und Sony sind fast ausnahmslos ausgezeichnet und auch vom Preis her auf Profis ausgerichtet, die eine 2000-3000€ Investition relativ schnell wieder drin haben.

Ich habe mich nun fast ausschließlich auf Zoomobjektive (abgesehen von den Tilt-Shifts) konzentriert. Es gibt zwar natürlich auch günstige Festbrennweiten von z.B. Walimex, diese verzeichnen jedoch auch relativ heftig, weswegen ich sie nicht empfehle.
Außerdem merke ich immer wieder, wie praktisch es ist, wenn man mal 2-3mm rein- oder rauszoomen kann.

Ich hoffe du kannst dir hiermit einen kleinen Überblick verschaffen.

Lass mich in den Kommentaren gerne wissen, welches Objektiv dein Liebling ist, oder ob ich noch ein gutes Weitwinkelobjektiv vergessen habe!

Alex

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