Architekturfotografie Trends 2022

TRENDS IN DER ARCHITEKTURFOTOGRAFIE FÜR 2022

Genau wie Sprache, verändert sich auch die Bildsprache einer Kultur mit der Zeit fließend.
Abhängig von kulturellem Einfluss, gesellschaftlichen Stimmungen, wirtschaftlichem Zustand
von Märkten und der Sättigung von bestimmten Branchen.

Zugegeben, die Architekturfotografie gilt nicht als besonders trendanfällig.
Es ist selten, dass es DIE neue Technik gibt, oder DEN neuen Bildlook, der alles dominiert.
Es lassen sich über die Jahre aber eindeutige Trends und Strömungen erkennen.

Für 2022 schauen wir uns also 5 aktuelle Architekturfotografie Trends an.
Die meisten folgen einem uralten, menschlichen Bedürfnis, aber lest selbst.

Dieser Artikel ist auch im praktischen PDF Format verfügbar.

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Menschlichkeit in der Architekturfotografie

#1 Architektur in der menschlichen Interaktion

Architektur wird von Menschen gemacht.
Architektur wird vorallem für Menschen gemacht.

Architekten, Stadtplaner und Interior Designer denken nicht mehr nur in Funktion, Preis und Materialien.
Heute sind die Fragen eher, wie bewegt sich der Mensch, wie interagiert er und wie wirkt die Architektur auf ihn.

Umso spannender ist die bildliche Darstellung von dieser Interaktion zwischen Mensch und Gebäude.

Anfang der 2000er waren Architekturfotograf*innen noch stolz, mit Photoshop Tricks und ND Filtern Menschen
aus Ihren Bildern „entfernen“ zu können. Man wollte nur die pure Architektur zeigen.
Möglichst clean, neutral, ohne Störer.

Die resultierenden Bilder wirkten oft surreal leer, ohne jegliches menschliches Element.
Diese Leere vermittelt den meisten Menschen unterbewusst ein unsicheres Gefühl. Sehen wir z.B. Bilder von einem
eigentlich belebten Platz ohne Passanten, wirkt dies ungewohnt und surreal. Wir assoziieren damit schon fast,
dass etwas nicht stimmen muss, da wir es nur aus Weltuntergangsfilmen kennen, oder wenn z.B. Lockdown ist.

Dabei ist der Wunsch nach menschlicher Interaktion doch in jedem Menschen tief verankert.
Dieser Wunsch lässt sich bereits seit ein paar Jahren als eindeutiger Trend erkennen.

Die Architekturfotografie wird wieder menschlicher, nimmt Personen als Stilelement auf und will den Betrachtern zeigen, wie die Architektur benutzt wird.

Architekturfotografie und der Trend Bewegung


Trend #2 Architektur im Context (der Bewegung)

Wer Architektur erfährt, erfährt sie immer im Context der Umgebung.
Ob bewusst oder unbewusst, ein Betrachter nimmt immer seine komplette Umgebung war.
Und setzt das Gesehene unweigerlich in den Context dieser Umgebung.

Als Architekturfotograf*in ist es die Aufgabe, diesen Context auch auf der zweidimensionalen
Ebene zu visualisieren. Gerade, weil wir die meiste Architektur meist nur durch Bilder erleben.

Auch hier haben sich viele Architekturfotograf*innen in den letzten Jahrzenten von den Möglichkeiten der
Tilt-Shift Objektive und digitalen Fachkameras verführen lassen.
Es war auf einmal möglich viel näher an die Gebäude ran zu gehen, den Bildausschnitt
nach oben zu kurbeln und somit störende Elemente drumherum zu umgehen.

Linien und Flächen wurden dabei bis zum Maximum gezerrt.
Vorallem im Hochformat war das auf einmal state of the art.
Das Ergebnis waren wieder surreal wirkende Bilder mit einer gewissen Leere und ohne jeglichen Context.

Diese Contextlosigkeit kennen wir aus unserem Alltag ebenfalls nicht.
Wir wissen immer, wie wir an Ort A gekommen sind und was grob um uns herum passiert.
Es ist ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis, Dinge und Orte einordnen zu können.

Auch hier lässt sich eindeutig erkennen, dass Architekturfotograf*innen versuchen, wieder mehr Context
und Menschlichkeit in die Architekturfotografie zu bringen.
Für die Bildgestaltung ist das jedoch oft ein Problem, da es umso schwieriger wird, den Fokus auf die
Architektur zu lenken, je mehr Elemente im Bild sind.

Damit die Architektur im Contextgewusel nicht unter geht, bedienen sich viele Architekturfotograf*innen fotografischen Tricks.
So belichtet man z.B. bewusst etwas länger, um z.B. vorbei fahrende Autos oder Menschen mit einer Bewegungsunschärfe unscharf darzustellen.

Das Resultat sieht meistens nicht nur cool aus, es lenkt den Blick auch wieder auf die statische Architektur, die im Fokus stehen soll.
Auch hier kommt wieder das urmenschliche Bedürfnis zum Tragen, dass der Blick auf Dinge wandert, die uns „Halt“ und Context geben.

Diesen Bildlook sieht man vorallem bei Architektur und Gebäuden, welche in einer öffentlichen Raumwirkung dargestellt werden sollen.

Trend in der Architekturfotografie TopDown Perspektive


Trend #3: Top Down Drohnenfotografie

Und wieder spielt der Context eine Rolle.
Beziehungsweise die Beziehung und Dimension von mehreren Bauelementen zueinander.

Mit dem Aufkommen von Kameradrohnen und immer besseren und kleineren Kameras gehören Vogelperspektiven
seit ca. 10 Jahrenzu fast jeder Architekturfotografie Produktion hinzu.
Wo früher Helikopter nötig waren, können heute mit relativ wenig Aufwand Perspektiven
eingenommen werden, die die Architektur in Ihrer weiteren Umgebung zeigen.

Der obligatorische Drohnenshot gehört also schon seit mehr als 10 Jahren zu den „Trends“.

Die Top Down Perspektive hebt sich hiervon aber noch einmal ab.
Es ist meist die einzige Perspektive von oben, welche künstlerische Symmetrien erlaubt.
Hierzu wird die Kamera der Drohne im 90° Winkel direkt nach unten gerichtet, um alle horizontalen Linien parallel oder rechtwinklig darzustellen.

Architekten, Stadtplaner und Designer lieben diese Ansichten.
Kennen Sie diese Ansichten von Ihren Grundrissen und Architekturmodellen doch nur zu gut.
Aber auch Architekturfotograf*innen feiern diese Ansicht, da sie künstlerisch meist ansprechend ist und sich grafisch gut darstellt.

Neben dem offensichtlichen „Coolness Faktor“ des Top Down Looks, kann auch hier
wieder der Context der Architektur zur restlichen Bebauung gezeigt werden.

Diese Ansicht findet man also immer öfter in Bildersets und zählt somit klar zu unseren Trends.

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Trend Natürlichkeit in Architekturfotografie

Trend #4: Mehr Natürlichkeit

In den letzten Jahren zeigt sich auch in Sachen Farben, Kontraste,  generell dem Bildlook eine leichte Trendumkehr.

Vor ca. 10 Jahren erreichte die Architekturfotografie, bzw. vielmehr die Bildbearbeitung in der Architekturfotografie
einen Zenit an Überspitzung und Perfektion, der sich seither umkehrt.
Fotograf*innen entdeckten in der Bildbearbeitung immer mehr Möglichkeiten mit verschiedenen Ebenen
und Blitzbelichtungen Kontrast- und Farblooks zu erzeugen.

So wurden Lichtspots gesetzt, wo keine Lampen waren, Fensterausblicke unnatürlich klar gestaltet und jede weiße Wand
wurde klinisch weiß bearbeitet, ohne jegliche Wärme, die z.B. ein Holzfußboden abstrahlt.
Alles in einem Wettbewerb, um sich mit dem eigenen Bildlook weiter abzusetzen.

Auch hier pendeln sich die Sehgewohnheiten jedoch wieder ein und wir Menschen
sehen am liebsten Bilder, die uns vertraut vorkommen und nicht auf den ersten Blick
„Das wurde doch bearbeitet“ schreien.

Unterbewusst sehnen wir uns zwar nach Perfektion, aber Perfektion, die wir auch kennen, keine unnatürliche, sterile Perfektion.
Darum sind Menschen erstmal skeptisch, wenn Werbefiguren zu schön sind, die Musterwohnung zu aufgeräumt.
Und eben auch, wenn wir merken, dass Räume und Gebäude zu perfekt, zu künstlich wirken.

Daher setzt sich aktuell der Trend fest, dass wieder mehr „Fehler“ in die Bilder kommen.
Wo noch vor kurzem z.B. jegliche Reflektionen aus Fenstern entfernt wurden, werden diese
lediglich noch minimiert, verbleiben aber im Bild.
Auch sogenannte „Color Casts“, also Farbreflektionen von Holzböden, dem Himmel oder Pflanzen, werden nicht mehr komplett entfernt.
Aus dem Alltag wissen wir, dass eine weiße Wand immer nur so weiß ist, wie das Licht, was sie trifft.

Alles in dem Versuch der Architekturfotografie wieder mehr Natürlichkeit und Menschlichkeit zu verleihen.

Die Bildbearbeitung in der Architekturfotografie folgt also aktuell dem Credo:
„Eine gute Bildbearbeitung ist eine, die man nicht sieht.“
Die Bilder sollen so natürlich wie möglich wirken und die Betrachter mit einem menschlichen Gefühl abholen.

Was keinesfalls bedeutet, dass Bilder so natürlich aus der Kamera kommen.

Auch für die meisten Kunden von Architekturfotograf*innen ist dieser Trend vorteilhaft.
Soll doch meist eine realistische Abbildung von Bauwerken oder Räumen angefertigt werden, die Betrachtern ein positives Gefühl gibt.

Dämmerungsfoto Trend Architektur Fotos


Trend #5: Twilights

Das gute, alte Dämmerungsfoto.
Auch in 2022 kommen wir nicht dran vorbei.

Natürlich sollte Architektur immer dann fotografiert werden, wenn sich die Lichtstimmung auf das Gesamtkonzept der
Darstellung am vorteilhaftesten auswirkt. Oder wenn eine bestimmte Stimmung angesprochen werden soll.
Das kann kurz vor Sonnenaufgang, zu voller Mittagsonne, an einem bedeckten Tag  oder auch Nachts bei voller Beleuchtung sein.

Wenn wir ganz ehrlich sind, ist ein Sonnenaufang oder Untergang doch meistens einfach schön.
Und auch die meisten Gebäude zeigen sich dann in einer besonderen Lichtstimmung, die wir selten sehen.

Das Licht wird ganz weich, die Fenster leuchten bereits in einem weichen Gelb, was
sich wunderbar komplementär vor dem immer dunkelblauer werdenden Himmel absetzt.
Rein fotografisch und farbtechnisch schon ein Traum.
Durch das flache Licht lassen sich aber auch feine Details in Baumaterialien oder eine besondere Beleuchtung extrem gut zeigen.
Was in der harten Mittagssonne in den tiefen Schatten untergeht, tritt somit teils erst bei der Dämmerung richtig ans Licht.

Keine Überraschung, aber der Twilight Shot wird auch in 2022 wieder in vielen  Darstellungen der Aufmacher sein.

Sieht aber auch oft einfach gut aus!

Trends in der Architekturfotografie Twilights

Zusammenfassung der Architekturfotografie Trends für 2022

Die aufmerksamen Lesenden werden gemerkt haben, dass sich in der Architekturfotografie ein großer, allgemeiner Trend zeigt:

Die Architekturfotografie kommt wieder zur Natürlichkeit und Menschlichkeit zurück.

Künstliche Bildlooks, übertriebene Farben und Kontraste, sowie extrem gezerrte Perspektiven werden in der Zukunft immer weniger gefragt.
Das menschliche Auge sehnt sich doch nach Natürlichkeit, Menschlichkeit und Context.

Ob es um technische Dinge wie Farben, Perspektive oder Kontraste oder um den Inhalt geht, der Trend ist ganz klar erkennbar.
Er wird sich sicher auch noch die kommenden Jahre fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass Architekturfotografie noch „lifestyliger“ wird.
Sprich, noch mehr Menschen, mehr „Unperfektionen“ und vielleicht sogar das Spiel mit der Unschärfe.
In der Architekturfotografie bis dato ja ein großes Tabu.

Für anstehende Architekturfotografie Produktionen bedeutet das, dass wir mehr Menschen und menschliche Elemente sehen werden.
Eine Person hier, ein aufgeklapptes Buch da, ein verwaschenes Auto, welches durch das Bild fährt, oder mehr Fokus auf warme Lichtstimmungen.
Kleine Accessoires oder die Wahl der richtigen Aufnahmezeit können hier schon einen großen Einfluss haben.

Als Fotograf beobachte ich solche Entwicklungen sehr positiv, da die Fotografie immer nur abbildet, was auch in der Gesellschaft gefragt ist.
Und ein bisschen mehr Menschlichkeit und Natürlichkeit wünschen wir uns doch alle.

Alex Bach

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